Der Auftrag

Was ist der Auftrag, dem sich die Brüder des Brüderlichen Kreises stellen wollen?

Er steht in Matthäus 13 und handelt vom Weizen, der zusammen mit dem Unkraut aufwächst. Die Landarbeiter wollen das Unkraut ausreißen. Aber sie erhalten die Anweisung, das Unkraut nicht auszujäten, sondern bis zur Reife des Weizens unter ihm zu belassen, damit sie den Weizen nicht zusammen mit dem Unkraut zerstören.

An das Gleichnis schließt sich eine Auslegung Jesu an, die so beginnt:

„Des Menschen Sohn ist's, der den guten Samen säet. Der Acker, das ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs.“

Was ich an dieser Auslegung interessant finde, ist, dass der Same nicht – wie ich dachte – „das Wort Gottes ist“, welches „in das Herz des Menschen“ gesät wird, sondern es sind Menschen, die von Jesus Christus in den Acker gesät werden, und der Acker, das ist die Welt. Wir selbst als Person sind gemeint als „Same“, und unsere Welt, in der wir leben, als der Acker und Boden, in den wir unsere Kraft hinein geben, in dem wir Wurzeln schlagen und Frucht bringen sollen.

An anderer Stelle wird dieser Gedanke noch verschärft, indem Jesus sagt:

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht.“ (Joh. 12, 24;)

Unser Auftrag besteht also darin, dass wir unser Leben, nicht nur unser evangelisches Wort oder unsere evangelischen Gedanken, sondern uns selbst in das Leben dieser Welt einbringen und uns mit ihm verbinden. Nur durch diesen Prozess, den Jesus als einen „Sterbeprozess“ beschreibt, können wir in seinem Sinne Frucht bringen.

Was ist damit gemeint?

Als Nachfolger Jesu Christi bin ich ein Ferment, ein Enzym Gottes in dieser Welt. Ich beklage mich zwar über diese Welt und ihre Menschen. Aber die eigentliche Frage an mich heißt nicht:

„Wie schlecht ist die Welt?“

Sondern:

„Wie weit bist du bereit, dich auf diese Welt, auf diesen Ort, auf diese Verwandten und Nachbarn, auf deine Mitarbeiter und auf die sich dir gerade stellenden Probleme einzulassen? Wie weit bist du bereit, deine Leidensscheu - und unsere Klage ist oft nichts anderes, als unsere laut verkündigte Leidensscheu - aufzugeben und zu deinem hier Sein, deinem geschickt Sein an diesen, deinen Ort in der Welt „Ja“ zu sagen?“

Dieses „Ja“ wäre gleichbedeutend mit der Antwort auf die Frage, wie weit ich bereit bin, mich von Jesus Christus in diese Welt säen zu lassen und in ihr Frucht zu bringen.

Indem ich meine Bereitschaft dazu Jesus Christus konkret sage, beginne ich zu verstehen, was die Grundlage meiner Aufgabe als Bruder des Brüderlichen Kreises ist.

Wozu „Brüderlicher Kreis“?

Wenn ich mich dieser Aufgabe wirklich stellen will, brauche ich die Begleitung von Menschen, die den selben Weg gehen. Ich brauche ihre Zusage und Verpflichtung, mich auf diesem eingeschlagenen Weg nicht allein zu lassen.

Dazu haben wir im Brüderlichen Kreis zwei Institutionen: