Einleitung

Als Brüder des Brüderlichen Kreises werden wir immer wieder gefragt: „Was ist der Brüderliche Kreis?” Es liegt in der Natur der Sache, dass mir als derzeitigem Leitenden Bruder diese Frage besonders häufig gestellt wird.

Mit einer klaren Antwort hat es dabei seine Schwierigkeit. Denn unsere Verfassung sagt: „Der Brüderliche Kreis will nicht durch Programme, sondern durch Menschen wirken”. Das wollen auch viele andere Kreise. Aber dennoch haben sie ein Programm formuliert oder sich sogar unter einem Programm zusammen gefunden, das ihre gemeinsamen Ziele und Absichten formuliert.

Das Thema des Brüderlichen Kreises ist seit seiner Gründung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als „Baltische Brüderschaft” und in seiner sinngemäßen Neugründung nach dem zweiten Weltkrieg als „Brüderlicher Kreis”: die persönliche Berufung jedes einzelnen Bruders, seine Verantwortung in der Welt und seine Begleitung auf seinem Weg durch seine Brüder.

Dadurch gibt es, inhaltlich gesehen, genau so viele „Programme”, wie es Brüder im Kreis gibt. Die Gemeinschaft der Brüder stellt sich die Aufgabe, jeden einzelnen Bruder auf seinem persönlichen Weg im Glauben an Jesus Christus und in Verantwortung für die Welt zu beraten und zu begleiten. In Hinsicht auf die in dieser Sicht enthaltene „Individualisierung” der Brüder kann der Brüderliche Kreis mit Recht als eine Bruderschaft der „Postmoderne” angesehen werden.

Unsere Verfassung geht von dem Bekenntnis jeden einzelnen Bruders zum Glauben an Jesus Christus aus. Aber sie legt nicht fest, wie dieser Glaube auszusehen hat. Sie setzt seinen Glaubensvollzug voraus und ordnet von ihm her, bzw. auf ihn hin die gegenseitigen Verpflichtungen der Brüder und die Regeln ihres Zusammenlebens. Dieses darf nicht so verstanden werden, dass in Bezug auf den Glauben religiöse Liberalität gepflegt, oder dass ihm nur „private” Relevanz beigemessen würde. Im Gegenteil: Auch der Glaube an Jesus Christus in seiner persönlichen Prägung wird von dem Bruder selbst verantwortet und soll von den anderen Brüdern im Kreis gewürdigt, geprüft und begleitet werden. Jeder Bruder wird die Begleitung seiner Brüder anders suchen, anders nutzen, anders erleben und darum schließlich auch anders auf die Frage antworten: „Was ist, bzw. was bedeutet dir der Brüderliche Kreis?”

Lang haben wir uns mit dieser Begrenztheit unserer Selbstdarstellung zufrieden gegeben und gesagt: „Wenn jemand unseren Kreis kennen lernen will, dann ist er herzlich durch einen Bruder unseres Kreises eingeladen, an einem unserer Konvente, unserer Treffen in den Gebieten oder an einem Gästeabend teilzunehmen”.

(Diese Einladung gilt auch für Sie, wenn Sie diese Zeilen lesen und sich für unseren Kreis interessieren. Sie können sich an unser Sekretariat wenden, oder schreiben Sie uns eine Mail.)

Inzwischen aber sind wir in das Informationszeitalter eingetreten und wollen uns dem damit verbundenen Kommunikationsstil nicht entziehen. Deswegen möchte ich Ihnen aus meiner Sicht zusammenstellen, was es an „objektiven” Daten über unseren Kreis gibt und erzählen, wie ich ihn in seiner geschichtlichen Entwicklung und seiner heutigen Gestalt sehe. Ich will:

Ich hoffe, dass es mir gelingt, Ihnen etwas von dem zu vermitteln, was uns als Brüder miteinander verbindet.

Falls Sie dann Brüdern unseres Kreises begegnen, die ihn ganz anders darstellen und erleben als ich, wird sich in Ihnen aus diesen unterschiedlichen Sichten eine Art Kaleidoskop ergeben, in welchem sich aus einzelnen Elementen eine immer wieder unterschiedliche Gesamtansicht zu einem wechselvollen Bild zusammen fügt.

Oldenburg, der 20.03.2006

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